“Bottum-up” oder “top-down”? Welches ist die richtige Strategie bei einem Kulturwandel? Viele Unternehmen haben zumindest inzwischen erkannt, dass ein Wandel nötig ist und setzen ein Projekt auf. Schon mit dem Begriff “Projekt” werden Mauern hochgezogen, die einen Kulturwandel ausbremsen.

Eine goldene Regel: Ein Kulturwandel ist kein Projekt! Warum ist das so? “Ein Projekt ist ein zielgerichtetes, einmaliges Vorhaben, das aus einem Satz von abgestimmten, gesteuerten Tätigkeiten mit Anfangs- und Endterminen besteht.” – so kann man es auf wikipedia.de nachlesen.

Weder wird die Veränderung der Kultur einmalig sein, noch wird man beim Start schon das klare Ziel definieren können. Somit lassen sich auch keine abgestimmten und gesteuerten Tätigkeiten mit Terminen aufsetzen. Ein Projekt ist also der vollkommen falsche Rahmen – genau deswegen tun sich viele auch so schwer bei dem Kulturwandel.

Kulturveränderungen müssen langsam wachsen und brauchen Geduld. Ein schönes Bild dafür ist ein Garten. Schauen wir uns das einmal genauer an.

Der optimale Garten

Zunächst einmal muss man lernen zu akzeptieren, dass jeder einen anderen Typ Garten als optimal empfindet. Es gibt die verschiedensten Varianten, vom klar strukturierten und durchgeplanten Garten bis hin zu einem gewollten Wildgarten. Keine Variante ist besser als die andere – sie muss nur zu den Bedürfnissen der Gartenbenutzer passen.

So ist es auch mit einem Unternehmen. Wenn Unternehmen, Geschäftszweck, Kunden und Mitarbeiter zueinander passen sind ideale Voraussetzungen für den Erfolg gegeben. Die Entscheidung, welchen “Garten” das Unternehmen will ist also beim Beginn einer Kulturveränderung zu treffen. Gemeinsam! Alle! Nicht “top-down”, nicht “bottom-up”!

Pflanzen, säen und gießen

Beim Garten beginnt alles mit dem Aussäen der Samen und dem Setzen der Pflanzen. Bestehende Beete müssen vielleicht komplett neu gestaltet werden. Schon ab diesem Zeitpunkt benötigt der Garten Pflege – regelmäßig und ohne Pausen.

Gleiches gilt beim Unternehmen. Auch hier wird ein Kulturwandel nur starten, wenn neue Wege beschritten werden und etwas ausgesät wird. Vertrauen, Zusammenarbeit, Führung sind einige der Samen, die im Unternehmen zählen. Es gibt aber nicht die standardisierten Punkte, die abzuarbeiten sind. Jeder Berater, der einem das erzählen will, sollte ganz schnell seinen Kaffee austrinken und wieder hinaus begleitet werden.

Oft wird in Unternehmen ein Thema intensiv bearbeitet, eingeführt und dann nicht weiter verfolgt. Das klappt bei einer kulturellen Veränderung nicht. Regelmäßiges Beobachten der Veränderungen und eine Reaktion darauf ist eine Kerndisziplin des Kulturwandels.

Regelmäßige Pflege

Ein Garten benötigt einen Gärtner, ansonsten verwildert er schnell. Trockene Äste müssen abgeschnitten werden, Pflanzen die sich schwertun benötigen Dünger, Wucherungen müssen zurückgeschnitten werden, bei falschen Standorten muss umgepflanzt werden, und so weiter.

Gleiches gilt wiederum im Unternehmen. Viele Veränderungen beim Kulturwandel werden nicht ohne Unterstützung und Steuerung funktionieren. Eine Führungskraft mit langer Erfahrung wird beispielsweise ein Verhalten nicht in wenigen Wochen verändern. Und sehr wahrscheinlich nicht auch komplett aus sich heraus. Ebenso sieht es bei Mitarbeitern aus. Wer aus einem hierarchiebasiertem Arbeiten kommt, muss sich erst an ein selbstbestimmtes Arbeiten gewöhnen.

Die Rolle des Gärtners

Der Gärtner muss in einem Garten immer wieder prüfen, ob sich die Natur gemäß den ursprünglichen Wünschen entwickelt. Dabei muss er aber auch den Plan jederzeit an die Entwicklung der Natur anpassen. Dagegen anzuarbeiten ist auf Dauer viel zu anstrengend. Weiterhin muss eine Toleranz gegenüber dem Ungewollten existieren, man kann nicht jedes kleine Unkraut zupfen. Trotzdem muss erkannt werden, wann eingegriffen werden sollte. Ein kleines Unkraut im Rasen darf sein, zu viel macht den Rasen kaputt. Manchmal muss auch der Mut zu radikaleren Aktion vorhanden sein: nach dem Vertikutieren sieht der Rasen erst einmal schlimmer aus als vorher. Das entfernen der vertrockneten Reste bietet aber erst die Chance für neues Wachstum.

Auch hier lässt sich wieder wunderbar der Bogen zum Unternehmen spannen. Der Kulturwandel muss dauerhaft begleitet werden. Falsche Wege dürfen eingeschlagen werden – sie müssen nur erkannt und bereinigt werden. “Bottum-up” alleine wird nicht klappen – der Gärtner muss falsche Wege beenden können. “Top-down” ebenfalls nicht – ein Kulturwandel lässt sich nicht anordnen. Wie so oft ist eine gesunde Mischung aus beidem der optimale Weg. Und manchmal muss man auch einen schmerzhaften Weg beschreiten um Platz für Neues zu machen. Alte Zöpfe werden im Unternehmen viel zu selten abgeschnitten. Aus welchen Gründen auch immer…

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